Fragen und Antworten zum humanen Papillomvirus (HPV)
Was passiert bei einer HPV-Infektion?
HP-Viren sind die Hauptursache für Krebsvorstufen und Krebserkrankungen im Bereich des Gebärmutterhalses (Zervixkarzinom), des Penis, der Vulva und des Anus. Die Typen 16 und 18 verursachen mehr als 70% aller Zervixkarzinome (Gebärmutterhalskrebs). Die HPV-Typen 6 und 11 sind für über 90% aller Genitalwarzen verantwortlich.
Wie häufig sind die Erkrankungen, gegen die die HPV-Impfung schützen soll?
In Europa werden jährlich 33.500, in Österreich zirka 500 neue Fälle von Zervixkarzinom mit zirka 5.000 bzw. in Österreich 130-180 Todesfällen registriert. Die HPV-Typen 6 und 11 sind für über 90% aller Genitalwarzen verantwortlich. Mehr als 1% der sexuell aktiven Personen leiden an Genitalwarzen.
Wer empfiehlt die Impfung?
Der oberste Sanitätsrat und der Impfstoffhersteller empfehlen die Impfung.
Was bewirkt die Impfung?
Gardasil ® ist ein Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs und äußere Genitalwarzen (Condylomata acuminata). Er schützt nachweislich und sehr zuverlässig vor einer Infektion mit dem humanen Papillomvirus (HPV), Typen 6, 11, 16 und 18.
Wie wird die Impfung angewendet?
Die Grundimmunisierung besteht aus 3 Einzelimpfungen gemäß folgendem Schema: 0, 2, 6 Monate. Abweichungen sind möglich, fragen Sie dazu Ihren Arzt. Alle drei Teilimpfungen sind innerhalb von 12 Monaten zu verabreichen. Für einen zuverlässigen Impfschutz sind alle drei Teilimpfungen notwendig.
Für wen ist die Impfung gedacht?
Die Empfehlung zur Impfung beruht auf dem Nachweis der Wirksamkeit von Gardasil bei erwachsenen Frauen von 16 – 26 Jahren und dem Nachweis der Immunogenität von Gardasil bei Kindern und Jugendlichen von 9 – 15 Jahren. Impfstoffe gegen onkogene Papillomviren sollten für Mädchen und Frauen – möglichst vor Eintritt in das sexuell aktive Alter – zur Anwendung kommen. Die Impfung von Knaben bzw. männlichen Jugendlichen ist prinzipiell sinnvoll, besonders wenn ein Impfstoff verwendet wird, der auch vor Kondylom-verursachenden Viren schützt. Eine Wirksamkeit der Impfung ist für alle Personen zu erwarten, die noch keinen Kontakt mit den durch den Impfstoff abgedeckten HPV-Typen hatten.
Ich bin älter als 26 Jahre. Warum ist die Impfung für mich nicht empfohlen?
Für Frauen über 26 liegen keine ausreichenden Daten zur Schutzwirkung vor.
Hilft die Impfung, wenn ich bereits infiziert bin?
Eine therapeutische Wirkung wurde für Gardasil nicht nachgewiesen. Der Impfstoff ist daher nicht zur Behandlung von Zervixkarzinomen, hochgradigen Dysplasien der Zervix, Vulva und Vagina oder Genitalwarzen geeignet. Der Impfstoff ist ebenfalls nicht dafür vorgesehen, das Fortschreiten bereits bestehender anderer HPV-bedingter Veränderungen zu verhindern.
Soll ich mich vor der Impfung auf HPV testen lassen?
Eine HPV-Testung vor der Impfung wird nicht empfohlen. Das Vorliegen einer Schleimhautschädigung im Genitalbereich ist kein Ausschlussgrund für die Impfung, bedarf aber einer individuellen Aufklärung über den möglicherweise eingeschränkten Nutzen der Impfung.
Wie lange hält die Schutzwirkung an?
Das ist derzeit noch nicht genau bekannt. Es wurde eine anhaltende Schutzwirkung über einen Zeitraum von 4,5 Jahren nach Abschluss des 3-Dosen-Impfschemas nachgewiesen. Folgestudien über einen darüber hinausgehenden Beobachtungszeitraum werden zurzeit durchgeführt. Ob eine Auffrischimpfung erforderlich ist, ist derzeit noch nicht bekannt. Derzeit ist laut Impfstoffhersteller keine Empfehlung für eine Auffrischungsimpfung absehbar.
Bietet die Impfung einen hundertprozentigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs?
Nein, aber sie senkt das Erkrankungsrisiko wesentlich. Wie bei allen Impfstoffen schützt die Impfung mit Gardasil möglicherweise nicht alle geimpften Personen. Zudem schützt Gardasil nur vor Erkrankungen, die durch die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 verursacht werden. Daher sollten geeignete Maßnahmen zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten beibehalten werden.
Die Impfung ist kein Ersatz für Routineuntersuchungen beim Frauenarzt zur Krebsvorsorge!
Was kostet die Impfung?
Eine Einzeldosis Gardasil ® kostet in den Gesundheitsämtern Kärntens € 130,--. Dieser Preis ist nicht gestützt. Somit kostet eine komplette Grundimmunisierung dort € 390,--.
Wann darf nicht geimpft werden?
Wenn eine Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder gegen einen der sonstigen Bestandteile (Humanes Papillomvirus = HPV-L1-Protein in Form von virusähnlichen Partikeln, hergestellt in Hefezellen [Saccharomyces cerevisiae CANADE 3C-5 Stamm 1895] mittels rekombinanter DNA-Technologie adsorbiert an amorphes Aluminiumhydroxyphosphatsulfat-Adjuvans, L-Histidin, Polysorbat 80, Natriumborat) bekannt ist.
Personen, die nach der Gabe einer Dosis Gardasil Symptome entwickeln, die auf eine Überempfindlichkeit hinweisen, sollten keine weitere Dosis erhalten. Die Verabreichung sollte verschoben werden, wenn die zu impfende Person an einer akuten, schweren, fieberhaften Erkrankung leidet. Eine leichte Infektion, zum Beispiel der oberen Atemwege, oder eine leichte Temperaturerhöhung ist jedoch kein Impfhindernis.
Ich leide an einem Immundefekt. Kann ich mich impfen lassen?
Zur Anwendung von Gardasil bei Personen mit eingeschränkter Immunfunktion liegen keine Daten vor. Personen, deren Immunfunktion aufgrund einer Therapie mit stark wirksamen Immunsuppressiva, eines genetischen Defekts, einer HIV-Infektion oder aufgrund anderer Ursachen eingeschränkt ist, entwickeln möglicherweise keine Immunantwort auf den Impfstoff. Der Impfstoff sollte an Personen mit Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) oder einer anderen Blutgerinnungsstörung nur mit Vorsicht verabreicht werden, da bei diesen Personen nach einer intramuskulären Gabe eine Blutung auftreten kann.
Ich nehme die Pille. Kann ich mich impfen lassen?
Ja. Auf Grund klinischer Studien scheint die Anwendung hormoneller Kontrazeptiva („Pille“) die Immunantwort auf Gardasil nicht zu beeinflussen.
Können schwangere Frauen geimpft werden?
Die Daten, die zur Anwendung von Gardasil in der Schwangerschaft vorliegen, lassen kein Signal in Bezug auf die Sicherheit erkennen. Die vorliegenden Daten reichen jedoch nicht aus, die Anwendung von Gardasil während der Schwangerschaft zu empfehlen. Die Impfung sollte daher erst nach Ende der Schwangerschaft durchgeführt werden.
Können stillende Mütter geimpft werden?
Gardasil kann stillenden Frauen verabreicht werden.
Zeitgleiche Gabe mit anderen Impfstoffen
Die zeitgleiche Gabe von Gardasil (jedoch an unterschiedlichen Injektionsstellen bei injizierbaren Impfstoffen) mit einem rekombinanten Hepatitis B-Impfstoff beeinflusste die Immunantwort auf die HPV-Typen nicht. Die zeitgleiche Gabe von Gardasil mit anderen Impfstoffen wurde nicht untersucht.
Nebenwirkungen
Die folgenden impfstoffassoziierten Nebenwirkungen wurden bei Probanden, die Gardasil erhielten, mit einer Häufigkeit von mindestens 1,0% und häufiger als bei den Placeboempfängern beobachtet. Sie werden nach Häufigkeiten aufgeführt, die wie folgt definiert sind:
Sehr häufig (≥1/10); häufig (≥1/100, <1/10); gelegentlich (≥1/1.000, <1/100); selten (≥10.000, <1/1.000); sehr selten (<1/10.000), einschließlich Einzelfälle.
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort:
Sehr häufig: Fieber, an der Injektionsstelle: Rötung, Schmerz, Schwellung. Häufig: An der Injektionsstelle: Blutung, Jucken. Darüber hinaus wurden folgende Nebenwirkungen in klinischen Studien vom Prüfarzt als impfstoff- bzw. placeboassoziiert eingestuft, deren Häufigkeiten unter 1% lagen: Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und des Mediastinums. Sehr selten: Bronchospasmus (Verengung der Atemwege)
Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes:
Selten: Nesselausschlag: 7 Fälle (0,06%) wurden in der Gardasil-Gruppe berichtet, 17 Fälle (0,18%) in der Gruppe, die adjuvanshaltiges Placebo (ähnliche Spritze, aber ohne Wirkung) erhielt. In den klinischen Studien, in denen die Verträglichkeit während der bis zu 4 Jahre dauernden Nachbeobachtungszeit ermittelt wurde, berichteten die Probanden sämtliche neu auftretenden gesundheitlichen Veränderungen. Von den 11.813 Gardasil-Empfängern und den 9.701 Placebo-Empfängern wurden insgesamt 8 Fälle unspezifischer Arthritis (Gelenksentzündung) berichtet, davon 6 Fälle in der Gardasil-Gruppe und 2 Fälle in der Placebogruppe.
Nachweis einer anamnestischen Immunantwort (Immunologisches Gedächtnis)
Eine anamnestische Immunantwort (also ein rasches Ansprechen des immunologischen Gedächtnisses) wurde bei Geimpften nachgewiesen, die vor der Impfung seropositiv für die entsprechenden HPV-Typen waren. Darüber hinaus entwickelte eine Untergruppe von geimpften Personen, die 5 Jahre nach der ersten Dosis der Impfserie eine weitere Dosis Gardasil erhielten, eine rasch einsetzende und stark ausgeprägte Immunantwort.





